Mit 1250 Jahren auf dem Buckel kein bisschen feiermüde

1250 Jahre und kein bisschen leise: Mit einem kunterbunten Programm feierte Remchingens Ortsteil Singen am Wochenende das Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Kodex des Klosters Lorsch. Kein Wunder, dass die schon am Freitagabend von der bayrischen Rockband „Rotzlöffl“ eingeheizte Kulturhalle zum Festbankett am Samstag mit 600 Besuchern im Saal und 200 bei der Übertragung im Festzelt brechend voll und lange zuvor ausverkauft war. Erstmals spielten auch die Wasserfontänen an der Neuen Ortsmitte. Anstatt sich entspannt zurückzulehnen standen die Bürger mittendrin, präsentierten kurzweilig moderiert vom waschechten Singener Roland Schuster heitere Überraschungen und schrieben mit dem Höhepunkt des Feierjahres einmal mehr Geschichte.

Landauf, landab gelte Singen als etwas aufmüpfig, spätestens seit es trotz damaligem DFB-Verbot bei der 1200-Jahr-Feier ein Frauen-Fußballspiel veranstaltet habe, erinnerte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. Beeindruckend sei, dass es alle damaligen Vereine noch heute gebe: „Dieser Abend soll explizit für unser Ehrenamt stehen – bleiben wir einig, immer etwas aufmüpfig und vor allem ehrenamtlich aktiv!“ Auch Landrat Bastian Rosenau gratulierte zum Vereinsleben, auf das man stolz sein könne. Im Protokoll einer Ortsbereisung von 1951 habe der damalige Landrat bemerkt, dass Singen neben einem freihändig mit dem Kraftrad über die Hauptstraße fahrenden Bürger und einer undichten Misteinfassung an der Mühlstraße „tadellos aufgeräumt“ sei. Das sei es noch heute.

In Erinnerung an Höhen und Tiefen überreichte er die Zeitenwende-Medaille, auch wenn Singen vielleicht nicht so gut auf den Enzkreis zu sprechen sei, nachdem es im Zuge der Kreisreform 1973 den Titel als älteste Gemeinde an Illingen und Lienzingen abgeben musste: „Die Reform war ein Einschnitt, aber die Entscheidung pro Remchingen und pro Enzkreis hat Singen keineswegs geschadet.“ Eine stimmungsvolle Umrahmung der Grußworte gab neben dem Musikverein und der Bigband des Gymnasiums die in Singen wohnende Opernsängerin Susanne Schellin, am Flügel begleitet von Paul Taube.

Vielfalt pur bot das Unterhaltungsprogramm: Nachdem CVJM und Kirchengemeinde mit einem „Kirchenlied-Flashmob“ überraschten, übernahmen die jungen CGS-Tänzerinnen Mia Pizzino, Hannah Lüdemann und Paula Bräuner das Kommando. Melodien zum Verlieben stimmte der Gesangverein an, während Ernst Beck, Klaus Obreiter und Michael Wild als „Junge Tenöre“ des VdK humorvoll ihren Mann standen. Jede Menge Brüller und stehende Ovationen erntete Dieter Volle als Singener Feldschütz.

Habe man früher vor Konsum, Schmidts Lädle oder Laupps Bäckerei „Schnellerles, Sucherles oder Reifles“ gespielt, bevor die ganze Familie im Zuber badete und man anschließend die weiße Wäsche darin eingeweicht habe, während das Portrait der Schwiegermutter aus Wilferdingen die Staren am Kirschbaum abhielt, so hätten sich die Zeiten geändert: „Mir sodde en de heidige Zeit viel meh midenanner schwätze, gmietlich zsamme sitze, des ded besser als jeder Wellnessurlaub.“ Humorvolles „Dorfgschwätz“ tauschten Herbert Grässle, Nino Di Piazza und Bernd Farr auf der FCG-Rentnerbank aus, während die Tischtennis-Oberligaaufsteiger des Turnvereins an der heißen Platte für Nervenkitzel sorgten. Den rockigen Abschlusstanz lieferten die „Aztekas“-Stammtischfreunde.

Unter hunderten Jubiläums-Engagierten ehrte Prayon namentlich Sebastian Bauer, Florian Becker, Margot Bercher, Volker Bräuninger, Nino Di Piazza, Jürgen und Dieter Ebel, Joachim Geffken, Ulrich Haag, Pfarrer Rudolf Kaltenbach, Robin Leonhardt, Josef Lofent, Marion Müller und Achim Oeder, Siegfried Roller, Jens Roser, Roman Roth, Ralf Rothweiler, Roland Schuster und Alexander Zachmann. Zitat hochdeutsch: „Wir sollten in der heutigen Zeit viel mehr miteinander schwätzen und gemütlich zusammensitzen. Das täte uns besser als jeder Wellnessurlaub.“

jza

Zur Fotostrecke

Foto: Zachmann

1250 Jahre Singen

Eine von vielen Freiwilligen getragene 

von der Gemeinde Remchingen unterstützte

und von vielen Spendern geförderte

Initiative zur 1250 Jahr Feier.


Singen1250.de ist eine von GKMB entwickelte und geförderte Publikation