Alte Aufnahmen wecken emotionale Erinnerungen

Wie gut, dass vier Männer mit eigenartigen Namen aus „Sigincheim“ im Jahr 769 dem Kloster Lorsch ein paar Grundstücke stifteten, in der Hoffnung, Fürbitte für ihr Seelenheil zu bekommen. Ob sie Letzteres durch die Schenkung ihrer Wiesen und Wälder tatsächlich erhielten, steht nicht in den Geschichtsbüchern – doch dass sie 1250 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung des drittältesten Dorfs im Enzkreis für einen fulminanten Festbeginn sorgten, das wird sicherlich noch lange in Erinnerungen bleiben.

Zum historischen Abend strömten fast 700 Besucher in die Kulturhalle, deren Saalwand die Organisatoren kurzerhand öffnen mussten – und das war erst der Auftakt eines ganzen Jahres voller Überraschungen. Zahlreiche gut erhaltene historische Schwarz-Weiß-Fotografien, großteils aus den Nachlässen der Fotografen und Ortshistoriker Walter Dennig und Otto Schlegel sowie eine alte Filmrolle des Nieferner Reporters Erich Mahner, die viel zu lange im Rathausarchiv schlummerte, anschaulich mit Fakten aufgearbeitet von Alexander Zachmann und seinem Team, begeisterten Jung und Alt regelrecht.

Kaum flimmerten Sankt-Wendelins-Kapelle, „Schwobe-Fritzles-Haus“, Dreschhalle und Co. über die Leinwand, kaum öffnete der alte Bahnübergang seine Schranken, plätscherte der offene Mühlbach oder tuckerten die ersten LKWs des einstigen Fernfahrerdorfs vorbei, kaum sangen die jungen Kehlen zum Richtfest im Rohbau der 1969 eingeweihten Bergschule oder lief die ganze Familie beim Festumzug vor 50 Jahren durch die Straßen, schon begann ein heimeliges und emotionales Raunen durch die ganze Halle und alte Erinnerungen wurden wach: „Des denkt mir no!“ „Des war doch de Opa!“ oder „Do driwwe bin ih!“.

Als dann auch noch Siegfried Roller, der im Film eben noch als Lehrer in der Bergschule den Takt angab, seine bereits farbigen Szenen aus dem Singener Alltagsleben zwischen Konsum, Schmidt´s Lädle oder dem noch florierenden Brodbeck-Sägewerksgelände präsentierte, gab es für viele kaum ein Halten mehr auf ihren Stühlen.

Dass die Geschichte des zusammen mit Königsbach zweitältesten Siedlungsortes in Baden-Württemberg eigentlich schon 35.000 Jahre zurückreicht, erklärte Museumsleiter Jeff Klotz in seinem kurzweilig-informativen Vortrag über Singen, wo auch keltische Grabhügel gefunden wurden.

„Viel Leid, viel Freude und viele Erkenntnisse liegen in der gemeinsamen Geschichte, aber so gut wie es und heute geht, ging es in 1250 Jahren den Menschen nicht“, gab Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon auf der vom OGV und Monika Kellenberger dekorierten Bühne zu bedenken und dankte Ausschussleiter Volker Bräuninger und den Vereinen, die im Foyer neben der Bewirtung für eine historische Ausstellung sorgten, bereichert von Werner Weisweilers Postkartensammlung. „Die Geschichte lebt in uns, jeden Tag“, ermutigte Moderatorin Anke Kainka, auch zukünftig gemeinsam am Ball zu bleiben.

Für den humorvollen Blick aus der Nachbarschaft sorgten die Wilferdinger Waschweiber Helene Schwarz und Monika Foemer, die die „Bärentreiber“ aufs Korn nahmen: „Wenn se nach Singe busiert henn, hats ghaise: Gugg, wo die greschde Mischdhalde isch. Die Singener senn für uns ned hiwwe un ned driwwe, sie senn unne durch.“

An so einem Abend durfte Max Giesinger nicht fehlen – stimmig vorgetragen von Jennifer Loosemore und Kulturhallenleiter Paul Taube am Klavier.

Julian Zachmann

Fotos und Film finden Sie in der Singen1250 Mediathek

Fotos: Julian Zachmann

1250 Jahre Singen

Eine von vielen Freiwilligen getragene 

von der Gemeinde Remchingen unterstützte

und von vielen Spendern geförderte

Initiative zur 1250 Jahr Feier.


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